Das Göttliche im Menschen wird durch seine Unvollkommenheit verborgen. Der Mensch erscheint nur noch als eine Karikatur seines wahren Selbst. Um so mehr man seinem Ego freiem Lauf gibt, desto mehr werden die eigenen Gaben zu einer Last für die Gesellschaft und sich selbst.
Im Fall von Lycopodium ist das Ego aufgebläht, ähnlich wie ein Kugelfisch (nur ohne die Stacheln und das Gift).
Wer die Materia Medica studiert hat, mag sich wohl gewundert haben warum die Symptome vorwiegend rechtsseitig sind. Klar das einige der Substanzen die im Waldstaub enthalten sind isoliert zu rechtsseitigen Symptomen neigen. Aber steckt hinter dem “Rechtsseitigem” vielleicht mehr als nur eine chemikalische Ursache?
Betrachtet man die Symptome mit den Augen eines Linguisten, so fallen einem gleich die Häufigkeit bestimmter Wörter auf. Auch die Wortherkunft (Etymologie) spielt eine große Rolle und wird leider beim Studium der Materia Medica und bei der Anamnese von vielen außer acht gelassen.
Befehlen
Lycopodium befiehlt gerne, schilt, legt an den Tag eine herrische Manier auf und bläst sich auf. Kurz darauf aber kehrt er wieder in sich zurück, ist still, möchte alleine sein. Warum?
Der Grund liegt auf der Hand. Wenn man die Gelegenheit hatte diesen Konstitutionstypen über einen längeren Zeitraum zu beobachten wird es auch ersichtlich. Sie setzen sich unheimlich hohe Ziele. Daraus resultiert ihre Höhenangst. Diese Ziele können auch edler Natur sein, voller guter Absicht. Dennoch übernehmen sie sich beim festlegen ihrer Ziele, weil sie damit auch bezwecken andere zu imponieren.
Imponieren
Das Wort “imponieren”, aus dem Englischem impress, deutet auch darauf hin mit welchem hohen Druck sie ihre Ziele verfolgen. Daraus resultiert wiederum auch das Aufblähen, nicht nur körperlich, mit Magendruck und Völlegefühl, sondern auch mit Worten. Sie schmücken ihre Taten großzügig aus. Sind aber auch sehr großzügige Menschen. Packen eine Sache feste an und versuchen es in einem Zug zu vollenden. Viel zu schnell gehen sie vor, voller Ungeduld. Und dann passiert es … sie kommen zu früh …
Drohgebärden
Bei einigen Kandidaten ist es sogar noch ausgeprägter. Sie drohen mit aufgeblasenen Sprüchen, meinen sie besäßen viel Macht. Das der Körper dann dem Geiste alles nachahmt führt zu Blähungen. Viel Wind um nichts. Alles nur Luft, nichts konkretes. Impotenz.
Theoretiker
Lycopodium sind sehr gute Planer, Architekten und Designer. Sie schweben in einer Sphäre in welcher sie sich gerne intellektuell austoben. Sie sind aber nicht Menschen die einer Sache auf dem Grund gehen und in die Tiefe graben. Das im Lycopodium enthaltene Schwefel ist wohl chemisch der Grund. Sie halten ihr Wissen auf einem oberflächlichem Niveau, können sich aber auch sehr schnell in einem Thema einarbeiten. Ihr breites Allgemeinwissen stellen sie zur Schau und sind in der Lage sehr gut zu unterhalten, mit wenigem Wissen auch viele zu beeindrucken (Lycopodium wird in Feuerwerkskörper verwendet. Es brennt schnell und hell ). Dann aber ziehen sie sich schnell zurück oder wechseln das Thema wenn ein wahrer Meister des Faches auf die Bühne tritt.
Machthungrig
Fehlt die Demut zu zugeben, dass jemand anders doch besser und klüger ist, so versucht Lycopodium sich Macht anzueignen. Bei einigen ist das sogar zur Lebensaufgabe geworden, wie z.B. bei einer texanischen Familie im Wilden Westen Amerikas. Sie treten während des Studiums in Studentenverbindungen ein und tun ihr bestes Vitamin B(eziehungen) zu knüpfen, so viel es nur geht. “Man ist wen man kennt” ist ihr Motto. Und durch ihre kommunikative Art schaffen sie es auch ihre Verbindungen über lange Zeit aufrecht zu erhalten. Man weiß ja nie wann man auf die Hilfe eines dieser Ordensbrüder zurück greifen kann.
Heißhunger
Bei all dem Machtstreben bekommt man auch schnell Hunger. Da das Gehirn viel Zucker bei der Planung der Weltherrschaft verbraucht, muss schnell was Süßes her. Wenn das passiert kann Lycopodium nicht warten, stürzt sich hastig von Zimmer zu Zimmer, öffnet die Schubläden und kramt nach einem Schokoriegel. Der Grund liegt in der Leber. Diese kann bei all dem nicht-rechtlichem Machtstreben leider nicht mehr so gut Energie in Form von Kohlenhydraten speichern. Schnell sinkt dann der Zuckerspiegel und macht sich auch in der schlechten Laune bemerkbar. (Dabei hätte man die Exekution verhindern können, hätte doch der General nur zur rechten Zeit einen Schokoriegel zur Hand gehabt)
Recht und Unrecht
Wenn dann so manches nicht mit rechten Dingen zugeht, weil Lycopodium faule Kompromisse eingeht, dann läuft nichts mehr richtig. Die Dinge laufen aus dem Ruder, weil Lycopodium nicht die Wahrheit sagt, diese unterdrückt oder sie ignoriert. Feigheit und Angst mehren sich und somit greift man auf Mittel zurück die nicht ganz legal sind. Es wird einem die Blaue Pille angeboten statt der Roten, im Wissen, dass zur Zeit viele Menschen gerne Kompromisse eingehen, Kredite machen und auf die Kosten der anderen leben.
Anwälte die das Recht als nur geschriebenes Wort sehen, verdrehen das Recht. Es sind die Rechtsverdreher unter den Anwälten die Lycopodium benötigen und eine Schelle statt einem Schulterklopfen, eine Ohrfeige für ihre feigen Handlungen. Lycopodium gehört zu den feigsten Konstitutionstypen. Mut fehlt ihnen wie einem Albino die Farbpigmente fehlen.
Ungerechtigkeit
Bei Ungerechtigkeiten an der eigenen Person schreien die Lycopodianer am lautesten. Sogar lauter als ihre Opfer, die Causticumianer, weil sie sie gerne beschallen mit lauter großen Worten. Irgendwann geht ihnen die Puste aus. Daher beschaffen sie sich Unterstützung aus ihrem Bekanntenkreis. Die schreien dann für sie weiter. So was wird auch schriftlich durch Unterschriftenaktionen durchgeführt. Ab einer halben Million Unterschriften ist es laut genug.
Opportunisten
Man kann davon ausgehen das ein durch und durch lycopodischer Mensch bestimmt einen massiven Fehler im Leben begehen wird, das absolut fatal für ihn sein wird. Die Wahrscheinlichkeit ist für ein solches Schicksal leider sehr hoch. Und irgendwie spüren diese Menschen es auch, dass sie einen solchen Fehler irgendwann begehen werden. Unbewusst sabotieren sie sich selbst. Ein trauriger Anblick, aber sehr weit verbreitet in unserer modernen Gesellschaft.
Statt aber durch Selbstverleugnung ihrem Schicksal zu entgehen, nehmen sie jede Gelegenheit wahr um ihrem Ego noch mehr Auftrieb zu verleihen. Ihre Gedanken werden durch ihren Trieb gelenkt. Sie werden mit dem Alter zu echten Opportunisten, die sich keine Gelegenheit entgehen lassen um Spaß zu haben. Kaum haben sie unverdiente 100 Euro in der Hand, müssen sie es auch noch am selben Tag ausgeben. Ihre ehemals, im Bekanntenkreis berühmte Großzügigkeit wird nur noch an sich selbst angewendet. Und groß erscheinen ihnen dann auch die kleinsten Probleme, weit entfernt von einer einfachen, pragmatischen Lösung.

Der Zusammenbruch
Dann brechen sie irgendwann zusammen. Sie weinen, bemitleiden sich … sind aber auch dabei sehr gut in Form bei der zur Schau Stellung ihrer Misere. Sie bekommen nichts mehr richtig hin … äh, nein, doch eines bekommen sie sehr gut hin … und zwar Minderwertigkeitskomplexe. Langsam dämmert es ihnen was sie angerichtet haben.
Die Krise, in der sie dann geraten, ist aber auch eine reale Chance um sich wieder aus ihrer misslichen Lage zu retten. Schaffen sie es aber nicht während dieser Krise ihr Ego aufzulösen, dann endet es in (halbherzige) Selbstmordversuche oder auch nicht. Denn Lycopodium ist und bleibt ein Feigling, bis es endlich Klick macht.